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Forschung zur Analyse und Bewertung der Tiergerechtheit von Haltungssystemen für Rinder und Pferde (FAIR)

Projektlaufzeit: 08/2010 – 04/2013

Nach einer Definition von Broom (1991) zum Wohlbefinden von Tieren lassen sich Haltungssysteme als tiergerecht einstufen, wenn sie den spezifischen Anforderungen der in ihnen lebenden Tiere gerecht werden, so dass dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden am Tier verhindert werden. Obwohl eine Vielzahl von Indikatoren zur Beurteilung der Tiergerechtheit von Haltungssystemen herangezogen werden, wurde bisher die Beeinträchtigung körperlicher Funktionen auf Ebene der Regulationsfähigkeit der Tiere selbst zur Anpassung an verschiedenste Haltungs- und Management- Bedingungen nicht erfasst. In derzeitigen Bewertungsverfahren gehen lediglich immunologische, endokrinologische bzw. biochemische Informationen (z. B. Bestimmungen des Cortisolspiegels) als physiologische Kriterien ein. Allgemein wird in der Wissenschaft zunehmend dazu übergegangen, die Individualität des Einzeltieres z. B. im Rahmen eines Herden-Gesundheitsmonitorings in den Vordergrund zu rücken. Das Befindender einzelnen Tiere wird gegenwärtig jedoch nicht erfasst.

Ziel dieses Vorhabens der Vorlaufforschung war die Erarbeitung von Kriterien für eine komplexe objektive Bewertung der Tiergerechtheit von Haltungsverfahren auf der Basis von Einzeltierinformationen, welche zu Lebzeiten des Individuums erfasst werden. Damit sollten die methodischen Grundlagen zur Entwicklung zukünftiger Monitoring- und Bewertungssysteme für moderne, wirtschaftliche und tiergerechte Haltungssysteme von Nutztieren entwickelt werden. Grundlage der Bewertung müsste die Bewertung des Gesundheitszustandes der Tiere sein, welche alle Haltungseinflüsse erfasst. Zu diesem Zweck sollte eine Methode entwickelt werden, die es erlaubt, an Hand des Monitoringspsycho-physiologischer Parameter und von Verhaltensparametern der Tiere den Gesundheitszustand im Rahmen einer Beurteilungsskala zu bestimmen.

Im Bereich der Milchrinderhaltung wurden 3 verschiedene Haltungssysteme an 8 Haltungsorten untersucht (Liegeboxenlaufstall, Tiefstreustall und Anbindehaltung). In der Pferdehaltung wurden 3 verschiedene Haltungssysteme an 11 Haltungsorten untersucht (Gruppenhaltung, Zweiergruppenhaltung, Einzelhaltung). Insgesamt wurden 109 Rinder und 90 Pferde bei einer durchschnittlichen Messdauer von 9 Tagen/Tier erfasst. Zur Beurteilung der Tiergerechtheit und -gesundheit wurden folgende Bewertungsverfahren eingesetzt:

  • Nationaler Bewertungsrahmen Tierhaltungsverfahren (NBR) – Rinder und Pferde
  • Tiergerechtheitsindex für Rinder TGI 35 L/1996 – Rinder und Pferde
  • Welfare Quality®-Rinder
  • Veterinärmedizinischer Status – Rinder und Pferde
  • Eigene Beurteilung – Pferde
  • Tierstatus mittels Tiermonitoring – Rinder und Pferde
  • Verhaltensbewertung mittels Videoaufzeichnungen – Rinder und Pferde

Die Bestimmung des Tierstatus erfolgte mittels Monitoring der Parameter vegetativ- emotionale Reaktion (Messparameter Hautwiderstand), vegetativ-nervale Reaktion (Messparameter Hautpotential), Muskelaktivität (Messparameter Elektromyogramm), Informationen über die metabolische Reaktion (Messparameter Hauttemperatur) und der Verhaltensparameter (Messparameter 3D-Beschleunigung, Lage im Raum) mittels des Systems smardwatch®. Die Datenanalyse erfolgte mit Hilfe der Chronobiologischen Regulationsdiagnostik (CRD).

Im Ergebnis des Projektes konnte eine Methode zur Bestimmung der Tiergesundheit als Basis für die Bewertung der Tiergerechtheit mittels Monitoring vegetativer Parameter erarbeitet werden. Dazu wurden unter Nutzung der CRD-Methode die Kenngrößen vegetative Balance und regulatorische Balance entwickelt und bestimmt. Der Vergleich der o. g. Bewertungsmethoden zur Tiergerechtheit mit dem Tierstatus zeigte bei Rindern eine gute Übereinstimmung mit dem veterinärmedizinischen Status und konträre Ergebnisse im Vergleich mit den übrigen Bewertungsmethoden (NBR, TGI, Welfare Quality®). Bei Pferden waren ähnliche Unterschiede zu verzeichnen. Insgesamt konnten sowohl Übereinstimmungen als auch Unterschiede in den Bewertungsverfahren festgestellt werden. Zusätzlich erfolgten Untersuchungen zum Stresstyp, zur Sensibilität und zum Mensch-Tier-Verhalten.

Um die Bewertung der Tiergerechtheit mittels Monitoring des Tierstatus zukünftig zu ermöglichen, sind die Stabilität des Messsystems weiter zu verbessern und die erreichten Ergebnisse an einer größeren Population von Tieren zu validieren.

Projektträger

EuroNorm GmbH

Kooperationspartner

Landwirtschaftsbetriebe in Brandenburg und Sachsen

Ansprechpartner IASP

Dr. Hans-Ullrich Balzer