
Im Forschungsprojekt „SapoPlant“ untersuchten wir zwischen 2021 und 2024 den Anbau der Leguminosen Luzerne, Steinklee und Bockshornklee für die Gewinnung von Saponinen, die als Biotenside perspektivisch im ökologischen Pflanzenschutz sowie in technischen Anwendungen zu nutzen sind. Ziel war es, den Einfluss von Sortenwahl, Schnitthäufigkeit und Erntezeitpunkt auf Trockenmasseertrag und Saponin- Gehalt zu bewerten. Dabei erwies sich Luzerne als die insgesamt leistungsfähigste Kultur: Über zwei Vegetationsjahre wurden stabile Erträge von durchschnittlich 100 bis 160 dt/ha Trockenmasse erreicht, wobei eine vierfache Schnittnutzung sowohl die höchsten Erträge als auch die höchste Saponin-Gesamtausbeute ermöglichte. Steinklee blieb hinsichtlich Ertrag deutlich zurück und zeigte mit 19 bis 102 dt/ha teils starke Schwankungen, was vor allem auf Schwierigkeiten beim Wiederaustrieb und Probleme bei der Etablierung nach Neuansaat zurückgeführt wurde. Bockshornklee konnte im Freiland trotz wiederholter Aussaatversuche keinen erntewürdigen Bestand entwickeln; ein ergänzender Gefäßversuch ergab jedoch, dass ein höherer Boden-pH-Wert das Wachstum signifikant fördert und damit ein zentraler Stellhebel für zukünftige Anbauversuche sein kann.
Bei den Saponin-Gehalten zeigte sich, dass weniger die Sorte als vielmehr der Erntezeitpunkt entscheidend ist: Die höchsten Konzentrationen wurden in Luzerne zwischen Juni und August gemessen, mit ausgeprägten Spitzen in den Sommermonaten. Eine intensivere Nutzung mit vier Schnitten erhöhte die Saponin-Gesamtausbeute zusätzlich. Für die Konservierung des Ernteguts erwies sich die Silierung als geeignete Option, da sie den Saponin-Gehalt nicht minderte und die spätere Extraktion sogar erleichterte – vermutlich durch eine Auflockerung der Zellstruktur. In der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung wurden Extraktionskosten von 281 bis 672 € je Kilogramm Saponin aus Luzerne ermittelt (abhängig von der Prozessauslegung sowie Rohstoff- und Energiepreisen). Da Marktpreise für vergleichbare Saponine aus anderen Quellen bei etwa 770 bis 1.387 €/kg liegen, ergibt sich ein wirtschaftliches Potenzial, das durch eine kombinierte Nutzung (etwa die parallele Gewinnung von Protein und Sapo nin aus Luzerne) weiter gesteigert werden könnte. Als Vermarktungsperspektiven werden Kooperationen mit Herstellern von Pflanzenextrakten bzw. Pflanzenschutzunternehmen sowie ein Vertragsanbau zur Rohstoffproduktion genannt. Praktisch wird empfohlen, Erntezeitpunkt und Nutzungsintensität an der späteren Nutzung auszurichten (z. B. hohe Saponin-Gehalte für technische Anwendungen, geringere für Futtermittel), bei Bockshornklee Standort- und Bodenansprüche inklusive pH-Anpassung stärker zu berücksichtigen, Silierung als Konservierungsweg einzuplanen und wirtschaftliche Synergien durch kombinierte Extraktionsverfahren gezielt zu nutzen.


Nachwachsende Rohstoffe des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und
Klimaschutz des Landes Brandenburg (MLUK)
Havellandhof Ribbeck GbR, Nauen OT Ribbeck
Dipl.-Ing. Karen Sensel-Gunke
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