Der "Querungsdruck" ist ein Fachwort aus der Welt des Gleisbaus. Er beschreibt die Neigung von Fußgängern und Radfahrern, Straßenbahngleise an bestimmten Stellen zu überqueren. Mit Vegetation bewachsene Gleise ("Grüne Gleise") wirken oft wie eine geschlossene Grünfläche und können optisch suggerieren, dass sie überall betreten werden dürfen. Der "Querungsdruck" entspricht also dem, was (salopp gesagt) gewöhnliche "Rasenlatscher" tun. Grüne Gleise sind aber nicht für hohe Trittbelastungen ausgelegt. Häufige Querungen an nicht dafür vorgesehenen Stellen führen zu Trampelpfaden, welche die Vegetation zerstören und die ästhetische sowie ökologische Funktion beeinträchtigen. Zudem kann hoher "Querungsdruck" dazu führen, dass Personen eine herannahende Straßenbahn unterschätzen, weil das grüne Gleisbett viel leiser ist als Schotter und weniger wie ein gefährlicher Verkehrsraum wirkt.
Um den "Querungsdruck" zu verringern, müssen Stadtplaner und Gleisbauer attraktive und sicher gestaltete Übergänge (z. B. gepflasterte Abschnitte) dort platzieren, wo die natürlichen Laufwege der Menschen liegen. Gelegentlich werden auch niedrige Hecken oder Zäune mit der Begrünung kombiniert, um den "Querungsdruck" auf offizielle Übergänge zu kanalisieren. Zudem hat die Wahl des Begrünungssystems einen erheblichen Einfluss: Bei tiefliegenden Systemen ist die Schienenoberkante deutlich höher als die Vegetation. Hier ist eine ungewollte Querung weniger einfach als bei hochliegenden Systemen, wo die Vegetation fast auf Schienenoberkante liegt. Begegnen kann man dem "Querungsdruck" außerdem durch die Auswahl von Substrat und Pflanzen: Es empfiehlt sich, spezielle, strukturstabile Substrate und robuste Pflanzen einzusetzen, welche belastbarer sind.
Unabhängig vom "Querungsdruck" erfüllen Grüne Gleise wichtige stadtökologische Funktionen. Seit rund 30 Jahren forschen und entwickeln wir zu Grünen Gleisen, und seit 15 Jahren koordinieren wir das Grüngleisnetzwerk: ein Kompetenzverbund aus engagierten Verkehrsbetrieben, Gleisunternehmen, Garten- und Landschaftsbaubetrieben sowie Forschungseinrichtungen.





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